wer weiß, wofür das noch gut ist

oder: wie ich vor neun Jahren mal gelötet habe und deswegen jetzt den Job hab.

Vor neun (!) Jahren habe ich Abitur gemacht. Lückenlos wollte ich direkt danach studieren, das scheiterte aber erstens an meinen unkonkreten Was-mache-ich-nur-aus-meinem-Leben-Plänen und zweitens an den NC (numeri clausi??) der Hochschulen, an denen ich mich beworben hatte (Psychologie, haha und Patholinguistik*, hihi).

Statt also zu studieren, hatte ich auf einmal viel Zeit und keine Perspektive. Um die Wartezeit bis zur nächsten Uni-Bewerbungsrunde rumzukriegen, kam mein Vater auf die Idee, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren**. Da waren die besten Plätze natürlich auch schon weg, also die ganzen Kinderläden etc. Eine Einsatzstelle gab es allerdings noch und die sollte ich mir doch mal unvoreingenommen angucken. Unvoreingenommen deshalb, da sie jemanden suchten, der naturwissenschaftlich-technisch interessiert ist und handwerkliches Geschick mitbringt. Da kamen mir mit meinen 6 Punkten im Mathe-Abi zwar ein paar Zweifel, aber da es um Grundschulniveau ging, traute ich mir das zu. Was soll ich sagen, es war genau die richtige Entscheidung. Bei der Einsatzstelle handelte es sich um die JugendTechnikSchule im FEZ Berlin und es hat einfach gepasst. So kam es, dass ich die nächsten 11 Monate den Lötkolben geschwungen habe und Windrichtungsanzeiger und Barometer gebastelt habe und in den Sommerferien 6 Wochen lang Widerstände sortiert habe (die mit den Farbringen…). Das nahm mir den Druck aus meinem „Karriereplan“, ich war beschäftigt und dachte ‚wer weiß, wofür das noch gut ist‘.

Viele, viele Jahre und ein paar Umwege später habe ich als (naja, nicht mehr ganz) frischgebackene Erziehungswissenschaftlerin ein Vorstellungsgespräch für eine Traumstelle bei einem großen Bildungsträger, der zufälligerweise der Träger der JugendTechnikSchule ist. Es heißt ich oder eine Mitbewerberin – die Entscheidung fällt ihnen anscheinend nicht leicht, doch letztlich mache ich das Rennen. Ich telefoniere mit der Abteilungsleiterin und sie sagt: „Wissen Sie, was der ausschlaggebende Punkt war? Ihr Freiwilliges Soziales Jahr.“

Nach 23 Bewerbungen, 20 Absagen, 2 Nicht-mal-Absagen und langem Bangen nach dem ersten Vorstellungsgespräch weiß ich jetzt also, wofür das monatelange Löten gut war. Danke, Papa! 🙂

Ab Juli wird es also ein bisschen ruhiger auf dem Blog (kleiner Scherz). Unser Leben als kleine Familie nimmt langsam Fahrt auf. Mit Karacho ins Berufsleben – Vereinbarkeit, show me what you got!

 

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*Hätte ich vorher gewusst, dass man als Logopädin singen können muss, hätte ich mir diese Bewerbung klemmen können. Auf Platz 1 der Dinge, die ich nichtnichtnicht kann: singen.

**Mein Plan B war übrigens, für wenig Geld auf einem irischen Bauernhof bei der Arbeit zu helfen. Dazu kam es nie, denn für den entscheidenden Bewerbungsanruf, den ich auf Englisch hätte führen müssen***, brachte ich nicht den Mut auf. Rückblickend ziemlich lächerlich, aber damals eine unüberwindbare Hürde.

***Um meine unerklärliche Abneigung gegen das Telefonieren mittels selbstverordneter Konfrontationstherapie in den Griff zu bekommen, habe ich übrigens mal zwei Monate in einem Callcenter gearbeitet. Aber das ist eine andere Geschichte.

wer weiß, wofür das noch gut ist