Stillstand

Als es in meiner Beziehung ernster und ernster wurde und ans Thema Familienplanung ging, war mein Standpunkt immer, dass ein Kind nicht „ins gemachte Nest“ kommen soll. Mein Traum war es, unser Kind mitzunehmen in das bunte Abenteuer Leben, bei Berg- und Talfahrten das Eltern- und Familiensein zu erlernen und nicht, ich sag’s mal sehr plakativ, mit meinem Leben abgeschlossen zu haben, um dann ein Kind zu bekommen. Studium, Berufseinstieg, Karriere (wasauchimmerdasheißt), Hochzeit, Kredit, Haus im Vorort, perfekt eingerichtetes Kinderzimmer und loooos geht’s mit dem Schwangerwerden.

Stattdessen: Studium und Nebenjob, Schwangerschaft in der Abschlussphase, Auslaufen des Werkstudentenvertrags 3 Wochen nach der Geburt, Bachelorarbeit mit Baby und Elternzeit ohne Perspektive. Den ganzen Stress vor, während und nach der Geburt, den haben wir gewuppt bekommen. Klar lief nicht immer alles reibungslos, aber es hat alles funktioniert. Seit Januar hab ich also meinen Abschluss als Erziehungswissenschaftlerin und habe die Elternzeit danach sehr genossen. Endlich kein Druck mehr von außen, keine Abgabefristen, kein ständiges Hin und Her zwischen Job und Uni. Aber Erholung gab’s eben auch nicht. Das Töchterchen schlief pünktlich mit Abgabe der Abschlussarbeit deutlich weniger, die Nächte sind bis heute mehr schlaflos als erholsam und ein Kitaplatz kommt eben auch nicht von allein.

Und nebenbei: Stellensuche. Ab März geht unsere Kleine zur Tagesmutter, wenn alles klappt. Sie ist dann genau anderthalb Jahre alt. Vom Prinzip her finde ich das richtig, sie frühestens mit anderthalb Jahren fremdbetreuen zu lassen (ich mag dieses Wort einfach nicht – ich gebe meine Tochter doch nicht einer Fremden?!), doch mir fällt es seit einigen Wochen schwer, die Füße stillzuhalten. Ich habe lange studiert, vorher auch schon ein Studium abgebrochen, lange auf alles Mögliche verzichtet, ich möchte endlich loslegen! Zeigen, was ich kann!

Gleichzeitig meldet sich natürlich das schlechte Gewissen. Genieß‘ doch die Zeit, nie wieder werdet ihr so viel Zeit als Familie haben, mach‘ dir nich so’n Druck… Das stimmt ja auch alles, aber die Gleichung „Haste Zeit, haste kein Geld – haste Geld, haste keine Zeit“ enthält auch ein Körnchen Wahrheit. Dazu kommt, dass die Tochter immer mehr Action braucht; da reicht es nicht, auf dem Wohnzimmerteppich Bauklötze zu stapeln oder einmal die Woche zur Krabbelgruppe zu gehen (in der sie die Älteste ist).

Momentan ist da einfach kein „Abenteuer Leben“, in das ich sie mitnehmen kann. Momentan ist einfach nur ein bisschen Stillstand, Abwarten und Kaffee (Kaffee!!!) trinken. Vielleicht ist das gut so, vielleicht ist das nur die Ruhe vor dem Sturm, der ab März unser Leben durcheinanderwirbelt. Ich jedenfalls freue mich über eine frische Brise!

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Nachwort: Vor 5 Tagen hat meine Schwester geheiratet und nun steht die Familienplanung an. Als angehende Beamtin legt sie großen Wert auf Sicherheiten. Vielleicht denk ich einfach deswegen momentan so viel über meinen Lebensweg nach. Wie verschieden wir doch sind!!

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Schattenseiten.

Gestern war ich mal wieder „in der Stadt“. So sagen die Köpenicker, wenn sie mal ihren Kiez Richtung Berliner Innenstadt verlassen. Kommt selten genug vor und ist bei eingefleischten Vorstädtern mit genauso viel Aufregung verbunden wie beim typischen Touri. Meine persönliche Berliner Wohlfühlzone endet beispielsweise am S-Bahnhof Friedrichstraße. Gestern ließ es sich aber nicht vermeiden, noch eine Station weiterzufahren zum Hauptbahnhof.

Es gibt kaum Orte in Berlin, an denen ich mich unwohler fühle als am Berliner Hauptbahnhof. Ein kalter Koloss aus Stahl, Glas und Beton – DB-Standard, aber hier eindrücklich erdrückend umgesetzt – in dem ich, sobald sich hinter mir die S-Bahn-Türen schließen, die Orientierung verliere. Als hätte mir jemand die Augen verbunden, mich fünfmal im Kreis gedreht. Ganz frauenuntypisch mangelt es mir sonst eher selten an Orientierungssinn, aber dort… Die Umgebung des Bahnhofs trägt zum Großteil zu diesem Problem bei: Sie ist bei jedem Besuch komplett anders. Der Hauptbahnhof wurde sozusagen im Niemandslang gebaut, rundum gab es nur Brachland und die Spree und nach und nach die Regierungsgebäude. Inzwischen schießen aber, gefühlt im Wochentakt, neue Hotels und wasweißich aus dem Boden.

Nachdem ich mich halbwegs orientiert habe und vor dem Bahnhof stehe (nicht wissend, ob das nun der offizielle Haupteingang ist?!), wird das Unwohlsein auf die nächste Ebene gehoben. Innerhalb von einer Minute sprechen mich mindestens fünf verschiedene Menschen an, die a) Straßenfegerverkäufer, b) Motz-Verkäufer, c) Leuchtturm-Verkäufer, d) „normale“ Bettler und e) „do-you-speak-english“-Frauen sind, die alle meine Hilfe, sprich Geld, wollen. Als Berliner (selbst in Köpenick) ist man da einiges gewohnt, vergeht doch keine Fahrt ohne rührende Ansprache oder „Nossa“-Sängertruppen. Aber nach dem dritten selbsternannten Querflötenvirtuosen in der Bahn bin ich dann auch bedient. Ich stelle mir vor, wie sich Berlin-Ankömmlinge fühlen müssen, die nach anstrengender Reise endlich den Weg nach draußen gefunden haben und direkt belagert werden (hartes Wort, aber so fühlt es sich an). Und als würde die Architektur des Bahnhofs, das Labyrinth innerhalb sowie die organisierten Bettlerbanden (es gab offizielle Lautsprecherdurchsagen, die vor kriminellen Bettlern warnten!) nocht nicht herzlich genug, werden die Reisenden auf dem Vorplatz folgendermaßen begrüßt:

So werden Reisende am Berliner Hauptbahnhof begrüßt.

Willkommen in Berlin!

Ein überdimensionaler Mülleimer (soooo unglaublich groß, ich glaube das kommt auf dem Bild gar nicht so rüber) mit der Aufschrift „Welcome to Berlin!“. Das war zu viel für mich. Ich brach in so hysterisches Gekicher aus, dass sich auch die Straßenfeger-Verkäufer lieber ein paar Meter von mir wegbewegten.

Ich sehnte mich nach Köpenick zurück, aber zum Glück brachte mich mein Zug ratzfatz weg aus dieser Tristesse. Es ging übrigens nach Leipzig, ein Treffen mit lieben Freunden in der sehr, sehr empfehlenswerten Gaststätte Kollektiv (nein, kein Anflug von Ostalgie, dafür bin ich zu jung). Off topic, aber es lässt sich dort hervorragend tschechisch schmausen und Pilsner Urquell vom Fass, was braucht es mehr. Aber meine Tschechien-Liebe hebe ich mir vielleicht doch für einen anderen Post auf.

An die Berliner und Berlin-Touristen und Berlin-Durchreisenden da draußen – welche Gefühlsregungen verspürt ihr am Berliner Hauptbahnhof? Warum hat jede Stadt einen spektakulär schönen Hauptbahnhof und wir diese anfällige Architektur-Experiment-Komprisslösung?

Genug gemeckert. Demnächst gibt’s wieder schöne Seiten von Berlin, ich will euch endlich auch mal mitnehmen ins schöne Köpenick!

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Mein Glückstag: Freitag, der 13.

Es gibt ein schönes Zitat von Kurt Tucholsky, das es in mein persönliches Das-hättte-ich-nicht-schöner-sagen-können-Buch geschafft hat (wie vermessen!!), was auf den heutigen Tag passt:

„Erst habe ich gemerkt, wie das Leben ist. Und dann habe ich verstanden, warum es so ist, und dann habe ich begriffen, warum es nicht anders sein kann. Und doch möchte ich, daß es anders wird.“

Und was soll ich sagen, es (also mein Leben) wurde anders:

Ich habe eine Küchenmaschine gewonnen!

Heut in der U-Bahn erreichte mich die freudige Nachricht und beinah hätt ich die übelriechende Gestalt neben mir umarmt! Aber nur beinahe.
Jetzt, wo ich also mit dieser absoluten Hochleistungsküchenmaschine ausgestattet bin, wird das hier vielleicht doch noch ein Foodblog? Haha, nee, dafür hätt‘ ich nich den Nerv.
Da backen aber glücklich macht, werden die nächsten Einträge hier wohl geprägt sein von Gewürzkuchen-, Plätzchen- und Brötchenglückseligkeit.

An die Rührbesen, fertig, los!

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Septemberkind

Bevor ich schwanger wurde, hatte ich keine Ahnung, dass man sich den Luxus irgendwann schwanger zu werden, eigentlich gar nicht leisten kann. Irgendwie war ich so naiv zu glauben, dass, wenn das Kind dann da ist, sich schon alles fügen wird. Jetzt ist meine Tochter 14 Monate alt und ich bin um einiges klüger. Der ideale Geburtsmonat richtet sich danach, wann das Kind in eine Betreuung soll! Die Formel zum Glück lautet also: gewünschter Betreuungsbeginn minus Dauer der Schwangerschaft minus Elternzeit minus evtl. individuelle Entscheidungen = idealer Zeitpunkt für den Schwangerschaftsbeginn.
Diesen Zeitpunkt sollten sich Paare mit Kinderwunsch rot im Jahreskalender markieren. Ist er unschwanger verstrichen, tja: neues Jahr, neues Glück!
Nun bin ich in einer Situation, um die mich viele werdende und gewordene Mütter bereits in der Schwangerschaft beneideten: meine Tochter wurde im September geboren! Yeah! Punktlandung! Doch anstatt vor Freudentaumel beinahe das Neugeborene fallen zu lassen, war ich nicht sooo begeistert:

Mein Töchterchen soll doch erst mit anderthalb in den Kindergarten!!

Unverständnis von allen Seiten schlug und schlägt mir immer noch entgegen. Immerhin ist es hier sozusagen der Normalzustand, dass Kinder mit einem Jahr fremdbetreut werden. Mütter, die das nicht wollen sind überbehütende Glucken oder arbeitsscheu.
Keine der beiden Kategorien trifft auf mich zu, mir war ein Jahr einfach nur zu jung. Noch dazu hatten wir keinen leichten Start ins Familienleben und wollen jede Sekunde zu dritt auskosten, bevor das Leben uns Ernst vorbeischickt.

Viele Worte, um eigentlich nur eins loszuwerden: es gibt keine verdammten Kitaplätze im Frühjahr! Und diese ominösen Wartelisten treiben mich zur Weißglut.
Ich verbringe also einen Großteil des Tages damit, herumzutelefonieren, mit meinem charmantesten Telefon-Ich die Kitaleitungen um den Finger zu wickeln und armen Tagesmüttern und -vätern in meiner näheren Umgebung aufzulauern.
Alles keine erfolgversprechenden Methoden. Aber ich gebe nicht auf!

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Die ersten Schritte…

… der Tochter lassen auf sich warten. Meine ersten Schritte auf meinem eigenen Blog wage ich hiermit dessen ungeachtet. Muss ja auch nicht synchron laufen.
Was das hier konkret wird, vermag ich heut noch gar nicht zu sagen. Doch ein paar unausgereifte Ideen habe ich. Ich möchte über mich schreiben. Über mich und mein Leben. Über mein Leben in Berlin. In Köpenick. Mit Herz, Verstand und Hang zur Weltverbesserung im Klitzekleinen.

Blogs zu lesen macht mir Spaß und nimmt einen beträchtlichen Teil meiner knappen Freizeit ein. Doch nur passiv bleiben und dem Bildschirm zunicken bei Artikeln, die mich berühren, belustigen oder aufrütteln? Das ist nicht meine Art. Ich möchte selbst aktiv werden, mich positionieren bei Dingen, die mir wichtig sind.

Das Phänomen der Blogs ist erst relativ spät in meine persönliche Wahrnehmung gerückt und zwar mit Beginn meiner Schwangerschaft. Auf einmal konnte ich mich vor Muttiblogs nicht mehr retten; zu jeder Frage rund um Schwangerschaft, Geburt und Erziehung gab es hunderte Blogs. Einige lesenswert, andere nicht. Eine Handvoll begleitet mich noch heute, inzwischen ist meine Tochter über ein Jahr alt. Doch ein Blog mit reinen Mutti-Themen – das bin ich auch nicht.

Es bleibt dabei: hier gibt es noch kein klares Konzept, klare Gedanken sowieso nicht, aber das heißt ja nicht, dass es nicht interessant werden kann.

In diesem Sinne,

KarachoKaro

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