Workshop: IT-Lernformate für Kinder

Seit ich die rasante Entwicklung rund um die Maker-Bewegung verfolge, bin ich immer auf der Suche nach fachlich fundiertem Input für meine eigene Arbeit in der Lernwerkstatt. Damit meine ich nicht Workshops von Firmen, die auf den Maker-Zug aufspringen und mir ihre Produkte verkaufen wollen, sondern von Personen, die mir vermitteln, wie ich Kindern und Erzieher_innen und Sozialpädagog_innnen die Konzepte des Maker-Movements näherbringe. Ich habe mich zwar schon selbst intensiv damit beschäftigt, aber es ist doch etwas anderes, sich Workshop-Inhalte allein vorm PC zusammenzubasteln nach bestem Wissen und Gewissen oder nach einer passgenauen Multiplikator_innenschulung einen Workshop auf die Beine zu stellen.

Insofern war ich ganz begeistert, als meine Arbeitskollegin mir einen Link zum eintägigen Workshop „IT-Lernformate für Kinder“ schickte. Umso größer war die Enttäuschung als es hieß, der Kurs sei bereits ausgebucht und auch die Warteliste bereits voll. Durch meine Hartnäckigkeit meinen Charme ergatterte ich dennoch einen Wartelistenplatz und rückte 2 Tage vor der Veranstaltung sogar auf die Teilnehmerliste vor – yay!

IT-Lernformate_header

Liest sich alles sehr vielversprechend!

Also trat ich am Freitag, 7.7., den langen Weg von Köpenick nach Potsdam ins Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) an. Der (kostenlose) Kurs wird von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) gefördert und richtet sich an ganz unterschiedliche Zielgruppen – von Lehramtsstudierenden über außerschulische Multiplikator_innen bis interessierte Laien (z.B. Eltern, die mit dem Informatikunterricht ihrer Kinder unzufrieden sind und nach Alternativen suchen). Er wird zweimal im Jahr angeboten und ist wohl jedes Mal sehr gut besucht. Am Freitag gab es aber eine ganze Reihe von Absagen (Glück für mich), denn viele, mit denen ich sprach, waren selbst Wartelisten-Nachrücker_innen und wir waren auch nur 14 Leute (20 sind Maximum für den Kurs). So war es aber eine sehr gemütliche Atmosphäre, mehr hätte ich mir in dem kleinen Raum auch gar nicht vorstellen mögen – gut, dass es für die spätere Gruppenarbeit Ausweichmöglichkeiten gab.

Worum genau ging’s nun in dem Worskhop? Ich zitiere mal aus der Ankündigung:

„Kinder brauchen in unserer digitalisierten Welt ein Grundverständnis für digitale Technologien, um einen kritischen Zugang zu entwickeln und ihre Zukunft aktiv mitgestalten zu können. […] Im Workshop werden an vier Thementischen verschiedene Lernformate für Kinder vorgestellt und ausprobiert:

(1) Programmier-Grundlagen mit Zettel und Stift,

(2) selbstgebaute Spielecontroller,

(3) kindgerechte Programmiersprachen und

(4) Elektro-Basteleien.

Im Vordergrund aller Formate stehen die Freude am Selbermachen, das spielerische Lernen und die Förderung der Kreativität.“

Da es sich bei (2) und (3) um MaKey MaKey und Scratch handelt und ich damit schon des Öfteren gearbeitet habe, interessierten mich vor allem die Thementische (1) und (4). Die Materialien (Links und Infos) für alle 4 Thementische bekommt man in einem Handout, sodass man sich zwar mit dem gewählten Thema sehr genau befasst, von den anderen aber auch was mitbekommt. Außerdem könnte ich ja im Herbst einfach noch mal kommen…!

Ich war mit einer weiteren Teilnehmerin, die im CoderDojo Wedding Programmierkurse gibt, an Tisch (1), denn Tisch (4) war mir zu voll. Für mich besteht oft die Schwierigkeit bei Workshops, einfache und auflockernde Einstiege in die Thematik zu finden und ich erhoffte mir ein paar Inspirationen. Und die gab es. Bereits nach der großen Kennenlernrunde stellten uns die Moderatorinnen Susanne Grunewald (Medienpädagogin) und Johanna Janiszewski (Game Designerin) eine „Unplugged Activity“ – also ein Programmierspiel ohne PC – vor, das wir gleich ausprobierten:

Nach einem kurzen und informativen Impulsvortrag (den Link zur Prezi hab ich leider vergessen abzufotografieren… kommt hoffentlich noch), ging’s in die Gruppenarbeit. Unser Thema „Einstieg ins Programmieren“ beinhaltete sowohl (teilweise nur englischsprachige) Literatur und Webseiten als auch Apps und Browser-Spiele. Es ist fast selbsterklärend in diesem Bereich, dass die Auswahl zwangsläufig nur einen Bruchteil der verfügbaren Materialien darstellt – es gibt einfach unzählige Initiativen, Firmen, Projekte etc, die (meist un- oder schlecht vernetzt) mit Spielen, Apps etc. die Zielgruppe `Kinder` erreichen wollen. Für uns als Pädagog_innen heißt das vor allem: aufmerksam sein, ausprobieren und aussortieren. Wichtige Fragen sind dabei z.B. Müssen die Kinder einen eigenen Account anlegen (Datenschutz)?, Kostet das Angebot etwas und wenn ja, bietet es einen Mehrwert gegenüber kostenlosen Angeboten?

Ein Anlaufpunkt im Netz, der nahezu alle Bereiche zum Programmiereinstieg abdeckt, ist die Webseite der Non-Profit-Organisation Code.org.
Hier finden sich zahlreiche Materialien zum Herunterladen, Anregungen, Inspirationen, komplette Kurse – alles kostenlos nutzbar, aber nur teilweise auf Deutsch verfügbar.

Eine weitere, nahezu unerschöpfliche Quelle für die Veranschaulichung von Prozessen innerhalb eines Computers bieten die Autoren (sic! leider) von Computer Science Unplugged: http://csunplugged.org/  Leider ist auch das wieder nur auf Englisch, die ersten Kapitel des Buches (http://csunplugged.org/books/) gibt es allerdings auch auf Deutsch (außerdem kann dank  Creative Commons licence BY-NC-SA jede_r an der Übersetzung mitarbeiten). Sehr, sehr empfehlenswert ist vor allem der YouTube-Kanal von CS Unplugged, über den ich schon vor einer ganzen Weile stolperte. Wenn ich ehrlich bin, hab ich die binäre Zählweise überhaupt erst durch die Videos verstanden…ähem.

Die Apps, die wir ausprobiert und bewertet haben, waren:

Ronjas Roboter für iOs, Android: „Du musst Robertas Roboter programmieren, damit er seine Aufgaben erledigen kann. Drei Befehle genügen, um den Roboter durch den Garten zu navigieren. Für Hindernisse gibt es Sonderbefehle“

Lightbot für iOs, Android: „Solve Puzzles using Programming Logic“

Scratch Jr. für iOs, Android: „Coding is the new literacy! With ScratchJr, young children (ages 5-7) can program their own interactive stories and games. In the process, they learn to solve problems, design projects, and express themselves creatively on the computer“

IT-Lernformate_apps

Die getesteten Apps v.l.n.r.: Ronjas Roboter, Lightbot, Scratch Jr.

Die Browserspiele:

CodinGame: „CodinGame lets you improve your coding skills with games“

CodeCombat: „CodeCombat ist eine Plattform für Schüler, um Informatik zu lernen während sie ein echtes Spiel spielen. Unsere Kurse wurden genau getestet um im Klassenraum zu bestehen, auch bei Lehrkräften mit wenig bis keiner Programmiererfahrung“

Alles konnte uns nicht so richtig überzeugen – die Browserspiele sind an eine Accounterstellung geknüpft und fallen damit für die meisten pädagogischen Settings raus. Die Apps sind schöne Spielereien, aber meist auch nicht mehr. Wir haben zumindest nicht lange durchgehalten, die Level waren schnell ermüdend, es war nicht ersichtlich, warum einige Sachen nicht funktionierten, es wurde auch innerhalb der Apps nicht wirklich viel erklärt. Eigentlich sollten sie ja selbsterklärend sein, aber wenn ich z.B. beim Lightbot einen Weg „programmiere“, der logisch schon richtig ist, er mir den aber trotzdem als falsch markiert, weil er länger ist als der „richtige“, dann ärgert mich das schon. Denn eigentlich sollten Kinder auch erkennen, dass es beim Programmieren oftmals kein „richtig“ und „falsch“ gibt, sondern sehr häufig ganz verschiedene Lösungen, die auf unterschiedlichen Ansätzen basieren. Die Teilnehmerin (Informatikerin), die mit mir in der Einstiegsgruppe war, sagte sogar: „Gib drei Programmier_innen ein Problem vor und du erhältst mind. drei Lösungen, wenn nicht mehr“.

Aber so waren sie und ich bereits schnell frustriert (und das als reflektierende Erwachsene!) und mit Kindern würde ich das so auch nicht machen. Dann lieber ein bisschen warten und mit Scratch richtig loslegen (ca. ab 8 Jahren).

In einer kurzen Abschlusspräsentation stellten dann gegen 15:30 Uhr alle Teilnehmer_innen ihre Ergebnisse vor – was in diesem Fall für das Publikum bedeutete, selbst aktiv zu werden und sehr kreative MaKey MaKey-Controllerbasteleien und Scratch Spiele ausprobieren zu dürfen.

Was bleibt?

Für mich war der Tag viiiiel zu kurz, dabei ging der Workshop 7 Stunden (davon eine Stunde Mittagspause, die mit tollen fachlichen Gesprächen über informatische Grundbildung gefüllt war)! So lange schon war ich auf der Suche nach genau so einem Format, nachdem meine Fortbildung im Mai bei den Jungen Tüftlern wegen zu geringer Teilnehmer_innenzahl (unvorstellbar) ausfiel. Jetzt bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als sowohl wiederzukommen bzw. meine Kollegen hinzuschicken und meine Begeisterung mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen!

Hier noch ein paar Links, die die beiden Referentinnen ins Handout gepackt haben, die definitiv einen Blick wert sind:

Start Coding e.V. Berlin: Eine Sammelstelle für verschiedene Angebote rund ums Programmierenlernen.

http://start-coding.de/

Code your life (Microsoft und BITS21 Berlin): Materialien für die pädagogische Arbeit

http://www.code-your-life.org/

 

Advertisements

Über karachokaro

Mit ultimativem Mann, Turbo-Tochter und Kater im grünsten Bezirk Berlins: Köpenick. Ist das noch Berlin?? Ja, ist es. Und schön noch dazu! Ich schreibe hier über das, was mich bewegt, interessiert, begeistert - vom saarländischen Zimtwaffelrezept bis Coding-Workshops.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Arbeitsleben abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s