Workshop: IT-Lernformate für Kinder

Seit ich die rasante Entwicklung rund um die Maker-Bewegung verfolge, bin ich immer auf der Suche nach fachlich fundiertem Input für meine eigene Arbeit in der Lernwerkstatt. Damit meine ich nicht Workshops von Firmen, die auf den Maker-Zug aufspringen und mir ihre Produkte verkaufen wollen, sondern von Personen, die mir vermitteln, wie ich Kindern und Erzieher_innen und Sozialpädagog_innnen die Konzepte des Maker-Movements näherbringe. Ich habe mich zwar schon selbst intensiv damit beschäftigt, aber es ist doch etwas anderes, sich Workshop-Inhalte allein vorm PC zusammenzubasteln nach bestem Wissen und Gewissen oder nach einer passgenauen Multiplikator_innenschulung einen Workshop auf die Beine zu stellen.

Insofern war ich ganz begeistert, als meine Arbeitskollegin mir einen Link zum eintägigen Workshop „IT-Lernformate für Kinder“ schickte. Umso größer war die Enttäuschung als es hieß, der Kurs sei bereits ausgebucht und auch die Warteliste bereits voll. Durch meine Hartnäckigkeit meinen Charme ergatterte ich dennoch einen Wartelistenplatz und rückte 2 Tage vor der Veranstaltung sogar auf die Teilnehmerliste vor – yay!

IT-Lernformate_header

Liest sich alles sehr vielversprechend!

Also trat ich am Freitag, 7.7., den langen Weg von Köpenick nach Potsdam ins Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) an. Der (kostenlose) Kurs wird von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) gefördert und richtet sich an ganz unterschiedliche Zielgruppen – von Lehramtsstudierenden über außerschulische Multiplikator_innen bis interessierte Laien (z.B. Eltern, die mit dem Informatikunterricht ihrer Kinder unzufrieden sind und nach Alternativen suchen). Er wird zweimal im Jahr angeboten und ist wohl jedes Mal sehr gut besucht. Am Freitag gab es aber eine ganze Reihe von Absagen (Glück für mich), denn viele, mit denen ich sprach, waren selbst Wartelisten-Nachrücker_innen und wir waren auch nur 14 Leute (20 sind Maximum für den Kurs). So war es aber eine sehr gemütliche Atmosphäre, mehr hätte ich mir in dem kleinen Raum auch gar nicht vorstellen mögen – gut, dass es für die spätere Gruppenarbeit Ausweichmöglichkeiten gab.

Worum genau ging’s nun in dem Worskhop? Ich zitiere mal aus der Ankündigung:

„Kinder brauchen in unserer digitalisierten Welt ein Grundverständnis für digitale Technologien, um einen kritischen Zugang zu entwickeln und ihre Zukunft aktiv mitgestalten zu können. […] Im Workshop werden an vier Thementischen verschiedene Lernformate für Kinder vorgestellt und ausprobiert:

(1) Programmier-Grundlagen mit Zettel und Stift,

(2) selbstgebaute Spielecontroller,

(3) kindgerechte Programmiersprachen und

(4) Elektro-Basteleien.

Im Vordergrund aller Formate stehen die Freude am Selbermachen, das spielerische Lernen und die Förderung der Kreativität.“

Da es sich bei (2) und (3) um MaKey MaKey und Scratch handelt und ich damit schon des Öfteren gearbeitet habe, interessierten mich vor allem die Thementische (1) und (4). Die Materialien (Links und Infos) für alle 4 Thementische bekommt man in einem Handout, sodass man sich zwar mit dem gewählten Thema sehr genau befasst, von den anderen aber auch was mitbekommt. Außerdem könnte ich ja im Herbst einfach noch mal kommen…!

Ich war mit einer weiteren Teilnehmerin, die im CoderDojo Wedding Programmierkurse gibt, an Tisch (1), denn Tisch (4) war mir zu voll. Für mich besteht oft die Schwierigkeit bei Workshops, einfache und auflockernde Einstiege in die Thematik zu finden und ich erhoffte mir ein paar Inspirationen. Und die gab es. Bereits nach der großen Kennenlernrunde stellten uns die Moderatorinnen Susanne Grunewald (Medienpädagogin) und Johanna Janiszewski (Game Designerin) eine „Unplugged Activity“ – also ein Programmierspiel ohne PC – vor, das wir gleich ausprobierten:

Nach einem kurzen und informativen Impulsvortrag (den Link zur Prezi hab ich leider vergessen abzufotografieren… kommt hoffentlich noch), ging’s in die Gruppenarbeit. Unser Thema „Einstieg ins Programmieren“ beinhaltete sowohl (teilweise nur englischsprachige) Literatur und Webseiten als auch Apps und Browser-Spiele. Es ist fast selbsterklärend in diesem Bereich, dass die Auswahl zwangsläufig nur einen Bruchteil der verfügbaren Materialien darstellt – es gibt einfach unzählige Initiativen, Firmen, Projekte etc, die (meist un- oder schlecht vernetzt) mit Spielen, Apps etc. die Zielgruppe `Kinder` erreichen wollen. Für uns als Pädagog_innen heißt das vor allem: aufmerksam sein, ausprobieren und aussortieren. Wichtige Fragen sind dabei z.B. Müssen die Kinder einen eigenen Account anlegen (Datenschutz)?, Kostet das Angebot etwas und wenn ja, bietet es einen Mehrwert gegenüber kostenlosen Angeboten?

Ein Anlaufpunkt im Netz, der nahezu alle Bereiche zum Programmiereinstieg abdeckt, ist die Webseite der Non-Profit-Organisation Code.org.
Hier finden sich zahlreiche Materialien zum Herunterladen, Anregungen, Inspirationen, komplette Kurse – alles kostenlos nutzbar, aber nur teilweise auf Deutsch verfügbar.

Eine weitere, nahezu unerschöpfliche Quelle für die Veranschaulichung von Prozessen innerhalb eines Computers bieten die Autoren (sic! leider) von Computer Science Unplugged: http://csunplugged.org/  Leider ist auch das wieder nur auf Englisch, die ersten Kapitel des Buches (http://csunplugged.org/books/) gibt es allerdings auch auf Deutsch (außerdem kann dank  Creative Commons licence BY-NC-SA jede_r an der Übersetzung mitarbeiten). Sehr, sehr empfehlenswert ist vor allem der YouTube-Kanal von CS Unplugged, über den ich schon vor einer ganzen Weile stolperte. Wenn ich ehrlich bin, hab ich die binäre Zählweise überhaupt erst durch die Videos verstanden…ähem.

Die Apps, die wir ausprobiert und bewertet haben, waren:

Ronjas Roboter für iOs, Android: „Du musst Robertas Roboter programmieren, damit er seine Aufgaben erledigen kann. Drei Befehle genügen, um den Roboter durch den Garten zu navigieren. Für Hindernisse gibt es Sonderbefehle“

Lightbot für iOs, Android: „Solve Puzzles using Programming Logic“

Scratch Jr. für iOs, Android: „Coding is the new literacy! With ScratchJr, young children (ages 5-7) can program their own interactive stories and games. In the process, they learn to solve problems, design projects, and express themselves creatively on the computer“

IT-Lernformate_apps

Die getesteten Apps v.l.n.r.: Ronjas Roboter, Lightbot, Scratch Jr.

Die Browserspiele:

CodinGame: „CodinGame lets you improve your coding skills with games“

CodeCombat: „CodeCombat ist eine Plattform für Schüler, um Informatik zu lernen während sie ein echtes Spiel spielen. Unsere Kurse wurden genau getestet um im Klassenraum zu bestehen, auch bei Lehrkräften mit wenig bis keiner Programmiererfahrung“

Alles konnte uns nicht so richtig überzeugen – die Browserspiele sind an eine Accounterstellung geknüpft und fallen damit für die meisten pädagogischen Settings raus. Die Apps sind schöne Spielereien, aber meist auch nicht mehr. Wir haben zumindest nicht lange durchgehalten, die Level waren schnell ermüdend, es war nicht ersichtlich, warum einige Sachen nicht funktionierten, es wurde auch innerhalb der Apps nicht wirklich viel erklärt. Eigentlich sollten sie ja selbsterklärend sein, aber wenn ich z.B. beim Lightbot einen Weg „programmiere“, der logisch schon richtig ist, er mir den aber trotzdem als falsch markiert, weil er länger ist als der „richtige“, dann ärgert mich das schon. Denn eigentlich sollten Kinder auch erkennen, dass es beim Programmieren oftmals kein „richtig“ und „falsch“ gibt, sondern sehr häufig ganz verschiedene Lösungen, die auf unterschiedlichen Ansätzen basieren. Die Teilnehmerin (Informatikerin), die mit mir in der Einstiegsgruppe war, sagte sogar: „Gib drei Programmier_innen ein Problem vor und du erhältst mind. drei Lösungen, wenn nicht mehr“.

Aber so waren sie und ich bereits schnell frustriert (und das als reflektierende Erwachsene!) und mit Kindern würde ich das so auch nicht machen. Dann lieber ein bisschen warten und mit Scratch richtig loslegen (ca. ab 8 Jahren).

In einer kurzen Abschlusspräsentation stellten dann gegen 15:30 Uhr alle Teilnehmer_innen ihre Ergebnisse vor – was in diesem Fall für das Publikum bedeutete, selbst aktiv zu werden und sehr kreative MaKey MaKey-Controllerbasteleien und Scratch Spiele ausprobieren zu dürfen.

Was bleibt?

Für mich war der Tag viiiiel zu kurz, dabei ging der Workshop 7 Stunden (davon eine Stunde Mittagspause, die mit tollen fachlichen Gesprächen über informatische Grundbildung gefüllt war)! So lange schon war ich auf der Suche nach genau so einem Format, nachdem meine Fortbildung im Mai bei den Jungen Tüftlern wegen zu geringer Teilnehmer_innenzahl (unvorstellbar) ausfiel. Jetzt bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als sowohl wiederzukommen bzw. meine Kollegen hinzuschicken und meine Begeisterung mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen!

Hier noch ein paar Links, die die beiden Referentinnen ins Handout gepackt haben, die definitiv einen Blick wert sind:

Start Coding e.V. Berlin: Eine Sammelstelle für verschiedene Angebote rund ums Programmierenlernen.

http://start-coding.de/

Code your life (Microsoft und BITS21 Berlin): Materialien für die pädagogische Arbeit

http://www.code-your-life.org/

 

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Ausflug mit Papa – Rammstein

Nein, heute geht’s nicht darum, dass der Freund mal die komplette Nachmittagsbespaßung vom Töchterlein übernommen hat, sondern dass mein Papa mit mir was unternehmen wollte! Und das nicht zum ersten Mal – und doch könnte der Kontrast größer nicht sein. Obwohl gerade das die Vielfalt zeigt, mit der ich dankenswerterweise aufgewachsen bin 😉

Im Dezember lud mich mein Papa jedenfalls relativ spontan zu Giora Feidman in die Berliner Philharmonie ein. Der weltberühmte Klezmer-Klarinettist spielte dort mit einem Cello-Quartett Songs von den Beatles und es war wundervoll. Da ich selbst Klarinette spiele (allerdings kein Klezmer), war das ein sehr schönes Geschenk.
Der Musikgeschmack meines Vaters endet allerdings nicht bei Klassik, nicht bei Klezmer. Mein Papa ist vorrangig der Grund, warum ich alle Keimzeit-Lieder auswendig kenne, warum ich bei allen Rosenstolz- und Element of Crime-Konzerten war. Obwohl 88er-Jahrgang, sind all diese Bands tief in mir drin als Richtschnur für gute Musik eingespeichert (abgesehn von Rosenstolz, die irgendwann zu merkwürdig wurden). Doch während sich auf die Hitliste anderer Eltern auch mal Schlagerstars verirrten, ist, war und bleibt mein Papa immer Rammstein-Fan. Für ein Konzert fährt er schon mal nach Prag oder Breslau, trifft Lindemann und Konsorten dann auch gern mal am Grenzübergang (gibt’s ja heut nicht mehr…) und versucht auch seine beiden Töchter des Öfteren für den brachialen Sound zu begeistern. Ich kann nicht für meine Schwester sprechen, aber für mich waren Rammstein immer ein Mü too much. Too much brachial, too much deutsch, too much haudrauf. In der 10. Klasse mussten wir ständig „Sonne“ und „Links, zwo, drei, vier“ singen – einerseits tat das mal gut, weil wir sonst nur „Mein kleiner grüner Kaktus“ gesungen haben, andererseits wussten wir auch nie, wie man zu den Texten stehen soll – deswegen war mein Verhältnis zu Rammstein immer etwas ambivalent.

Dann sah ich zufälligerweise die Dokumentation „Rammstein in Amerika“ und irgendwie konnte ich mich nicht losreißen von diesen verrückten Typen, die doch immer für das brannten, was sie träumten und auch letztendlich umsetzten. Die Bandmitglieder wirkten so sympathisch und nahbar, dass ich mir echt die komplette Doku ansah und danach noch mehr wollte. Noch mehr Wissen über das Zusammenspiel dieser Band.

Dann las ich einen Zeitungsartikel, den ich wirklich nur empfehlen kann. Die Bandmitglieder kommen so absolut geerdet rüber und doch merkt man die Leidenschaft für ihren Beruf. Und genau das hat man auch in dem Kinofilm „Rammstein: Paris“ gemerkt. Ich schickte meinem Papa (kein typischer Leser der SZ) den Artikel, weil ich dachte, er könnte ihn interessieren und er kaufte daraufhin die Karten, obwohl ich bis dahin noch nie wirklich Stellung zu Rammstein bezogen hatte. Einerseits war mir das immer alles zuviel. Zuviel Pathos, zuviel Deutschtümelei (rollendes „r“, typische Topoi aus Grimmschen Märchen etc.), andererseits konnte ich mich der Faszination, untermauert durch Musiker, die echt was drauf haben, nie wirklich entziehen. Und so gingen wir gestern Abend/ Nacht (22:45 Uhr) ins Cubix am Alexanderplatz und ließen den Film mal auf uns zukommen. Was soll ich sagen, es war wirklich grandios. Klar war es irgendwie komisch, ein Konzert im Kino zu sehen, weil keiner klatscht, aber der Film war wirklich spektakulär. Der Regisseur J. Åkerlund (das musste ich nachgucken, trotz Popularität kenne ich den nicht…) hat es hingekriegt, die Bandbreite der Band zwischen Brachialität (ist das ein Wort?!) und Schmalz („Mutter“, „Engel“) abzubilden, ohne der einen oder anderen Färbung mehr Gewicht zukommen zu lassen. So bekam ich tatsächlich Gänsehaut bei „Sonne“ (wenn das Herr M., mein Musiklehrer lesen würde…!) und habe bei „Ohne dich“ tatsächlich ein, zwei „Augentränchen“ (wie die Tochter momentan sagt) vergossen. Alles in allem ein echtes Highlight und konsequenterweise kam die Frage von Papa noch vor dem Kinoausgang:

„Nächstes Mal Rammstein in Berlin?“

„Aber sowas von!“

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Brief an meine große Schwester

Liebe A.,

ich freue mich so sehr darauf, bald meinen kleinen Neffen im Arm zu halten. Ich muss zugeben, es fällt mir schwer, mich mit den Geschichten rund ums Kinderkriegen, Kinderhaben, Elternsein zurückzuhalten. Aber ich tue es, da ich aus eigener Erfahrung weiß, dass man das ganze Geschwafel als werdende Eltern sowieso nicht so richtig aufnimmt und ja überhaupt bei einem selbst alles ganz anders wird.

Nur eine Sache möchte ich dir mitgeben, bevor ihr bald auch zu dritt seid:

Schlaf! Schlaf soviel du kannst und wann immer es geht. Geh um neun ins Bett, schlaf bis mittags und schlaf dann weiter.

Ich weiß, Studien besagen, es sei nicht möglich vorzuschlafen. Tu es trotzdem.

Gern würde ich dir noch ein paar mehr Worte zum Thema Elternschaft mitgeben. Aber ich bin müde, so müde.

Deine Line

 

P.S. Eine Lektüreempfehlung, die dich in den nächsten Tagen auch per Post erreichen wird, will ich dir aber doch an die Hand geben. So kannst du immer abwechselnd lesen und schlafen und dich aufs Elternsein freuen. Mehr braucht es nicht.

buch_dasnuf

P.P.S. Grad wollt ich noch schreiben „Genieß den Endspurt“ – als wüsste ich selber nicht mehr, wie ätzend grade die letzten Züge der Schwangerschaft waren. Das ist der Schlafmangel, ich schwör.

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Berufseinstieg – 3-Monatsfazit

Das MaKey MaKey Bananenklavier

Kurios aber mehr nicht?! Das MaKey MaKey Bananenklavier

Seit drei Monaten wurstele ich mich nun durch meinen neuen Job und totz bester Voraussetzungen für einen reibungslosen Start (Freund hatte Semesterferien und hat dankenswerterweise sowohl Bring- als auch Holdienst für die Tochter übernommen)habe ich in den drei Monaten bereits drei Kind-krank-Tage genommen, war selbst vier Tage krank und musste ein paar Nachmittagsveranstaltungen absagen, um unsre Tochter von der Tagesmutter abzuholen. Dafür konnte ich bereits zwei Tage Überstunden abbummeln und trete nächste Woche meine zweite Urlaubswoche an. Urlaub! In der Probezeit! Wenn ich meinen ehemaligen Kollegen aus meiner Werkstudentenzeit bei einem großen Online-Start-up von meinem Arbeitsplatz erzähle, ernte ich nur ungläubige Blicke.

Was soll ich sagen, ich bin noch immer sehr zufrieden. Ich habe die Gelegenheit, mich in Themen einzuarbeiten, die mich schon immer faszinierten und diese Begeisterung dann an andere weiterzugeben. Letzteres ist jedoch noch stark ausbaufähig. Ich merke, wie mir einfach noch die Erfahrung fehlt, mit Kindern/Jugendlichen/Erwachsenen Veranstaltungen durchzuführen, die einerseits strukturiert und doch locker-flockig sein sollten. Letzten Freitag hatten wir 16 FSJ-Teilnehmer:innen in der Werkstatt und ich leitete einen Workshop zum Thema digitale Technologien – nachdem ich mich so mit der Maker-Bewegung auseinandergesetzt hatte, wollte ich einfach mal ins kalte Wasser springen und die Jugend meine Versuchskaninchen sein lassen. Blöderweise war ich in der Vorbereitungswoche krank und so wurde das Konzept etwas..ähem…mit der heißen Nadel gestrickt. Mein leidenschaftlicher Vortrag zu kreativen Gestaltungsmöglichkeiten mit Elektronik und Co. entfachte kein Feuer und auch meine Experimente mit Controllern aus alten PC-Tastaturen rissen keinen vom Hocker. Hmpf. Statt sich also stundenlang begeistert mit den Möglichkeiten von MaKey MaKey und Scratch (hier besonders eindrücklich zu sehen) zu beschäftigen, bastelten alle eine langweilige Bass-Verstärker-Box aus alten Pringles-Dosen. Die FSJler:innen waren zwar glücklich, ich aber nicht… So viel Potenzial! Und ich konnte es nicht vermitteln.
Naja. Ich habe an diesem Tag jedenfalls viel gelernt und bin alles in allem froh, es gewagt zu haben, ein neues Themengebiet anzureißen.

Mein Kollege meinte gestern zu mir, er könne nicht glauben, dass meine Probezeit noch bis Ende Dezember ginge – er hätte das Gefühl, ich wär schon seit 10 Jahren da. Ich nehm das einfach mal als Kompliment und gutes Zeichen in Hinblick auf die Probezeit.

 

 

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Maker Faire Berlin

Am Freitag hatte ich die Möglichkeit, mit einem Arbeitskollegen die Messe rund um kreatives Gestalten mit digitalen Technologien zu besuchen. Schon Wochen vorher, seit ich zufällig über die Maker Bewegung gestolpert bin, freute ich mich drauf – besonders auf die Möglichkeit, bereits am Freitag vor Ort zu sein, denn dann öffnete die Messe nur für Lehrer:innen und Schulklassen. Da ich zwar selbst nicht unterrichte, aber als Fortbildnerin im MINT-Bereich arbeite, fand ich es spannend zu sehen, wie die Kinder und Jugendlichen auf diese vielen, manchmal doch sehr speziellen Projekte reagierten.

Ich selbst bin auf die Maker Bewegung über das (frei zugängliche und sehr empfehlenswerte) „Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien“ von Sandra Schön und Martin Ebert gestoßen (OER) und war von der didaktischen Herangehensweise begeistert. Also dachte ich, ich mach mich in dem Bereich mal schlau und führ ein paar Projekte durch, aber nach der Maker Faire weiß ich, unsere Lernwerkstatt wird selbst zum Makerspace!

Die Maker Faire Berlin heißt ihre Besucher willkommen.

Vor der Messe studierte ich fleißig das Programm und markierte mir die Projekte/ Firmen/ Vorträge, die ich auf keinen Fall verpassen wollte. Da ich während des Besuchs vor lauter Reizüberflutung und Begeisterungsausrufen kaum zum Fotografieren gekommen bin, gibt’s hier meine Highlights nur als Linkliste.

  • Die Makerschule – ein Makerspace in einem Gymnasium, dessen Team mit Schüler:innen wahnwitzige Mammutprojekte in nur 5 Tagen konzipiert/baut/designt/programmiert/3D-druckt uvm.
  • dEIn Labor – das Schülerlabor der TU Berlin, hier werden Workshops zu aktuellen Technikthemen von Studierenden der Fakultät durchgeführt
  • Junge Tüftler– Initiative, die über spielerische Zugänge Begeisterung für Technologien wecken will
  • Technologiestiftung Berlin -die verleihen nämlich eine sog. „Hacking Box“, die MaKey MaKeys, Arduinos und Raspberry Pis beinhaltet. Bevor wir nämlich die Katze im Sack kaufen, will ich mir die gehypten Schmuckstücke mal vornehmen.
  • FabLab Berlin – offene Entwicklerwerkstatt, die Zugang zu High-Tech-Werkzeug bietet
  • xHain – hack+ makespace, vor allem wegen des Damensalons der @heartsofcode
  • Raspberry Jam Berlin-Raspberry Pi Bastler mit coolen Projekten (ich sag nur spinning Tardis!)

 

Es gab auch noch ein hervorragendes Vortragsprogramm, aus Zeitmangel konnte ich leider nur einen (völlig zu Unrecht sehr schlecht besuchten) hören: Dr. Engelbrecht von der KLAX Kreativwerkstatt sprach über „Lernen in Makerspaces – Worauf sollten pädagogische Fachkräfte achten?“
In der KLAX Kreativwerkstatt werde ich mich demnächst noch mal  genauer umsehen und ausführlicher berichten.

Mein Fazit

Ich fand es eine tolle Idee, die Messe an einem Tag nur für Schüler:innen und Lehrer:innen zu öffnen. Es wird von vielen Seiten so viel an Schule und Unterricht herumkritisiert (veraltete Inhalte, nicht relevant für die Lebenswelt der Kinder/Jugendlichen, zu frontal etc…), dass gern vergessen wird, solche Angebote für diese Zielgruppe überhaupt erst einmal zu öffnen und Lehrer:innen und Schüler:innen zu zeigen, hey, so geht Lernen auch und das tut gar nicht weh! Ganz im Gegenteil – während du Spaß an deinem eigenen Projekt hattest, hast du übrigens Programmieren/Löten/Stricken/… gelernt, genial oder?

Es wird immer klarer, dass selbstorganisiertes Lernen mehr und mehr in den Vordergrund rücken wird. Lehrer:innen, die sich nicht dagegen wehren und offen sind für neue Ansätze (Fehler sind was Gutes! je früher man scheitert, desto besser!), können von der Maker Bewegung nur profitieren.

Ich wäre gern als Privatperson noch mal gekommen (z.B. um postapokalyptischen Schmuck zu basteln), aber das ließ sich leider nicht einrichten.

Danke für mind. 200 Inspirationen, Macher der Maker Faire Berlin!

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Zum Weiterlesen: Sandra Schön, Martin Ebner und Kristin Narr (Hrsg.) (2016): Making-Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten.

 

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Bewerbungskrampf

Die Überschrift zu diesem Eintrag hatte ich bereits vor ner Weile geschrieben, aber nie einen Text dazu ergänzt. Mir fehlten in der Zeit der Bewerbungsphase einfach jegliche Worte, um das Elend zu beschreiben.

Alle verfügbaren Worte flossen zu dieser Zeit in (meines Erachtens) höchst eloquente Bewerbungsanschreiben. Ich suchte mir Stellenanzeigen heraus, durchforstete die Unternehmenswebseite und ggf. alle Social-Media-Kanäle nach brauchbaren Hinweisen auf die Unternehmenskultur, auf das Miteinander und verfasste mein Anschreiben im perfekt auf das Unternehmen abgestimmten Sprachstil. Einmal ging ich sogar aufs Ganze und warf alle Vorstellungen der traditionellen Bewerbung über Bord und gestaltete ganz kreativ einen Fragebogen in der Aufmachung, in der sich auch die Mitarbeiter unter „Team“ auf der Webseite präsentierten.

Ich vermied Floskeln, Konjunktive, Worthülsen. Allein es half alles nichts. Mit jeder Absage wuchs mein Frust und die Vermutung, dass niemand (wirklich niemand!) mit einer ‚ganz normalen Bewerbung‘ eine Stelle bekommt. Ich besuchte einen Workshop zum Thema Netzwerken von Flipped Job Market (eigentlich sehr empfehlenswert-wenn man am Anfang der Jobsuche steht). Dort lernten wir zwar eine vielversprechende Methode kennen, um mit Menschen, die im gewünschten Berufsfeld arbeiten, ins Gespräch zu kommen. Mich persönlich brachte das aber nicht weiter. Denn eigentlich wusste ich ja da schon ganz genau, wo ich hinwill. Die einzige, eher ernüchternde Erkenntnis, die ich vom Workshop mitnahm, war, dass sich 80% aller Stellenbesetzungen im sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt abspielen, v.a. über interne Stellenausschreibungen, Freunde/ Bekannte und Freunde von Freunden. Nicht besonders motivierend.

Nach über zwanzig Absagen reichte es mir. Ich ließ es drauf ankommen und streute absichtlich Worte in die Bewerbungsschreiben, die ich (wenn ich Personaler wäre) verabscheue. Proaktiv. Teamfähig. Familienmanagement. Mich schüttelt es auch jetzt noch, wenn ich diese Zeilen schreibe. In jedem Karriereportal wird ausdrücklich davon abgeraten, diese ausgelutschten Phrasen zu verwenden.

Und prompt kam die erste Einladung zum Bewerbungsgespräch. Und die zweite. Und nun hab ich den Job. Ich würde so gern mit einem Happy End schließen, für all diejenigen, die an der Jobsuche verzweifeln, nach dem Motto: seht ihr, es hat geklappt mit einer ‚ganz normalen Bewerbung‘ – nur leider habe ich ja schon geschrieben, dass Vitamin B auch hier nicht ganz unbeteiligt war.

Während des Bewerbungsgesprächs lag mein Anschreiben auf dem Tisch und meine (evtl. zukünftigen) Kollegen lasen es sich ‚unauffällig‘ noch mal durch. Es war das Anschreiben, in dem ich mein ach so tolles Familienmanagement betone. Ich versuchte, die beiden durch besonders geistreiches Gerede vom Lesen abzulenken…aber wer weiß, ob mir das gelang.

Jetzt, nachdem ich im (fast) sicheren Hafen des Berufseinstiegs eingelaufen bin (nur noch 5 Monate Probezeit, toitoitoi!), habe ich meine Realitätsschockstarre überwunden. Die Arbeit passt zu mir und meinen Vorstellungen, ich habe viele Freiräume für eigene Ideen und Vereinbarkeit ist kein Thema. Meine beiden Kollegen sind speziell, jeder auf seine Art, und ich denke, wir geben zu dritt ein gutes Bild ab. Meine Stimme/ meine Meinung hat Gewicht, ich werde nicht als ‚die Anfängerin‘ behandelt.  Doch jeden Morgen treibt mir der Gedanke die Schamesröte ins Gesicht, dass meine Kollegen in mir jemanden sehen, der das Wort ‚Familienmanagement‘ aktiv verwendet.

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wer weiß, wofür das noch gut ist

oder: wie ich vor neun Jahren mal gelötet habe und deswegen jetzt den Job hab.

Vor neun (!) Jahren habe ich Abitur gemacht. Lückenlos wollte ich direkt danach studieren, das scheiterte aber erstens an meinen unkonkreten Was-mache-ich-nur-aus-meinem-Leben-Plänen und zweitens an den NC (numeri clausi??) der Hochschulen, an denen ich mich beworben hatte (Psychologie, haha und Patholinguistik*, hihi).

Statt also zu studieren, hatte ich auf einmal viel Zeit und keine Perspektive. Um die Wartezeit bis zur nächsten Uni-Bewerbungsrunde rumzukriegen, kam mein Vater auf die Idee, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren**. Da waren die besten Plätze natürlich auch schon weg, also die ganzen Kinderläden etc. Eine Einsatzstelle gab es allerdings noch und die sollte ich mir doch mal unvoreingenommen angucken. Unvoreingenommen deshalb, da sie jemanden suchten, der naturwissenschaftlich-technisch interessiert ist und handwerkliches Geschick mitbringt. Da kamen mir mit meinen 6 Punkten im Mathe-Abi zwar ein paar Zweifel, aber da es um Grundschulniveau ging, traute ich mir das zu. Was soll ich sagen, es war genau die richtige Entscheidung. Bei der Einsatzstelle handelte es sich um die JugendTechnikSchule im FEZ Berlin und es hat einfach gepasst. So kam es, dass ich die nächsten 11 Monate den Lötkolben geschwungen habe und Windrichtungsanzeiger und Barometer gebastelt habe und in den Sommerferien 6 Wochen lang Widerstände sortiert habe (die mit den Farbringen…). Das nahm mir den Druck aus meinem „Karriereplan“, ich war beschäftigt und dachte ‚wer weiß, wofür das noch gut ist‘.

Viele, viele Jahre und ein paar Umwege später habe ich als (naja, nicht mehr ganz) frischgebackene Erziehungswissenschaftlerin ein Vorstellungsgespräch für eine Traumstelle bei einem großen Bildungsträger, der zufälligerweise der Träger der JugendTechnikSchule ist. Es heißt ich oder eine Mitbewerberin – die Entscheidung fällt ihnen anscheinend nicht leicht, doch letztlich mache ich das Rennen. Ich telefoniere mit der Abteilungsleiterin und sie sagt: „Wissen Sie, was der ausschlaggebende Punkt war? Ihr Freiwilliges Soziales Jahr.“

Nach 23 Bewerbungen, 20 Absagen, 2 Nicht-mal-Absagen und langem Bangen nach dem ersten Vorstellungsgespräch weiß ich jetzt also, wofür das monatelange Löten gut war. Danke, Papa! 🙂

Ab Juli wird es also ein bisschen ruhiger auf dem Blog (kleiner Scherz). Unser Leben als kleine Familie nimmt langsam Fahrt auf. Mit Karacho ins Berufsleben – Vereinbarkeit, show me what you got!

 

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*Hätte ich vorher gewusst, dass man als Logopädin singen können muss, hätte ich mir diese Bewerbung klemmen können. Auf Platz 1 der Dinge, die ich nichtnichtnicht kann: singen.

**Mein Plan B war übrigens, für wenig Geld auf einem irischen Bauernhof bei der Arbeit zu helfen. Dazu kam es nie, denn für den entscheidenden Bewerbungsanruf, den ich auf Englisch hätte führen müssen***, brachte ich nicht den Mut auf. Rückblickend ziemlich lächerlich, aber damals eine unüberwindbare Hürde.

***Um meine unerklärliche Abneigung gegen das Telefonieren mittels selbstverordneter Konfrontationstherapie in den Griff zu bekommen, habe ich übrigens mal zwei Monate in einem Callcenter gearbeitet. Aber das ist eine andere Geschichte.

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